09.02.2010
Erfolg macht Schule
Schulpolitik ist selten frei von ideologischen Standpunkten. Insbesondere die Gemeinschaftsschule ist bei der Opposition verschrien: Von Gleichmacherei ist die Rede oder von der „Einheitsschule“, als sozialistisches Schreckgespenst an die Wand
Ganz so schrecklich scheinen die Schulen nun nicht zu sein – im
Gegenteil. Vor der Pankower Wilhelm-von-Humboldt-Schule trifft man
morgens auf zufriedene und engagierte Eltern, die Kinder fühlen sich
sichtlich wohl und freuen sich auf ihren Tag.
Das hat zum einen eine engagierte und profilierte Schulleiterin
geschafft. Ein motiviertes Kollegium zieht pädagogisch an einem Strang.
Zum anderen wird hier bereits verwirklicht, was in der Sekundarschule
erst angestrebt wird: Die Kinder lernen jahrgangsübergreifend und
binnendifferenziert, projektbezogen und zu einem großen Teil
selbstverantwortlich.
Das führt dazu, dass schon im zweiten Jahr des Bestehens der Wilhelm-
von-Humboldt-Schule dreimal so viele Kinder angemeldet wurden, wie es
Plätze gibt. Eltern würden ihre Kinder bereits jetzt in die fünfte
Klasse der Schule geben, obwohl die Kinder Empfehlungen fürs Gymnasium
haben. Den Eltern, scheint es, sind Politik und Ideologie herzlich egal
– solange die Schule so überzeugt wie die Pankower Gemeinschaftsschule.
pth
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.02.2010)