Der Senat hat gestern den Gesetzentwurf zur Einführung der integrierten Sekundarschule beschlossen. SPD und LINKE verfolgen mit der Schulreform drei Ziele: Wir wollen, dass deutlich mehr Schüler/innen das Abitur erreichen. Wir wollen, dass schrittweise alle Schüler/innen einen Schulabschluss erreichen und wir wollen, dass die Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen und ökonomischen Herkunft eines Kindes abgebaut wird.
Kern der Reform ist die Einführung der Integrierten Sekundarschule. Sie tritt zukünftig an die Stelle der bisherigen Haupt-, Real- und Gesamtschulen und beinhaltet schon jetzt einige Elemente der Gemeinschaftsschulen.
Der entscheidende Punkt ist,
dass zukünftig alle weiterführenden Schulen alle Abschlüsse bis hin zum
Abitur anbieten. Im Alter von elf Jahren muss nicht mehr über die
Lebensperspektive der Kinder entschieden werden. Die Aufteilung, »Du
wirst Akademikerin, du Facharbeiter und du hast eigentlich keine
Chance«, wird es nicht mehr geben. Die Frage: »Was soll mein Kind
später werden, auf welche Schule muss es also gehen?«, steht nicht
mehr. Sondern es gibt die Wahl zwischen dem Gymnasium und der
integrierten Sekundarschule, die mit den gleichen Bildungsstandards zu
den gleichen Abschlüssen wie das Gymnasium führt.
Die Integrierte Sekundarschule hat die Voraussetzungen, sich gegenüber dem Gymnasium als die attraktivere Schule zu entwickeln: Sie bietet eine bessere Ausstattung, ganztägige Förderung, mehr Zeit und Flexibilität bis zum Abitur, mehr individuelle Förderung, Angebote für alternative Lernformen wie Praxis- oder duales Lernen.
Diese Chancen müssen jetzt genutzt werden: Durch eine Unterstützung der Schulen im Veränderungsprozess, durch Fort- und Weiterbildung und durch ein überzeugendes pädagogisches Leitbild.
Mit der Integrierten Sekundarschule werden in der Mehrzahl der Schulen in der Mittelstufe wichtige Elemente der Gemeinschaftsschule eingeführt.
Trotzdem behält die »Pilotphase Gemeinschaftsschule« ihre Bedeutung. Sie wird fortgeführt und ausgeweitet. Die Gemeinschaftsschulen gehen den direkten Weg zu einer Schule des gemeinsamen Lernens von der 1. bis zu 10. Klasse bzw. bis zum Abitur. Alle Schulen haben auch während der Schulreform weiterhin die Möglichkeit Gemeinschaftsschule zu werden oder einzelne Elemente der Gemeinschaftsschule einzuführen. Die dritte Bewerbungsrunde läuft gerade.
Die erfolgreiche Arbeit der neuen Gemeinschaftsschulen und der Andrang auf sie machen deutlich: Die »Pilotphase Gemeinschaftsschule« ist der Motor der Berliner Schulentwicklung. Von ihren Erfahrungen können gerade auch die neuen Integrierten Sekundarschulen lernen. Insofern ist die Schulreform für diese Koalition ein wichtiger Schritt, aber eben nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule als einer »Schule für alle«.
Nach dem Senatsbeschluss wird im Sommer der Rat der Bürgermeister über den Gesetzentwurf beraten. Nach der Sommerpause wird der Senat den Gesetzentwurf dem Abgeordnetenhaus zur Beratung und Beschlussfassung vorlegen. Wir möchten die Beratungen im Parlament nutzen, um mit Experten und Betroffenen ins Gespräch über den Gesetzentwurf zu kommen. Für DIE LINKE geht es vor allem darum, die in der Koalition getroffenen Vereinbarungen umzusetzen. Das betrifft v.a. die pädagogische Entwicklung der integrierten Sekundarschule sowie den rechtlichen Status der Gemeinschaftsschule.
Bislang sind die
Gemeinschaftsschulen im Schulgesetz als Pilotschulen rechtlich
abgesichert. Uns geht es darum, sie darüber hinaus entsprechend des
Beschlusses des Abgeordnetenhauses als schulstufenübergreifende
Schulform von Klasse 1 bis zum Abitur gesetzlich zu verankern.
Für die Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung in Richtung inklusiver Bildung und Erziehung ist der Senat beauftragt ein Konzept vorzulegen, mit dem die UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung umgesetzt wird.