Eine Gemeinschaftsschule für alle!
Häufige Vorurteile
- Wir haben in Berlin doch schon eine Art Gemeinschaftsschule, nämlich die sechsjährige Grundschule. Schon dort mangelt es an Qualität. Hier müssen wir ansetzen, nicht bei der Sek. I.
Die Iglu-Studie belegt, dass die Leistungen der dt. Grundschüler annährend so gut sind wie in den skandinavischen Ländern. Wir büßen die PISA-Punkte folglich in der Sek. I ein, also in der Zeit, bis die Kinder 15 sind und bei der PISA-Studie plötzlich einen großen, negativen Abstand zu den skandinavischen Ländern haben.
- Die Einheitsschule wird von oben verordnet. Den Eltern und Schülern wird die Wahlfreiheit genommen.
Falsch! Die Pilotphase setzt gerade auf das Prinzip der Freiwilligkeit. Wir verordnen nicht von oben, sondern lassen es von unten wachsen und greifen örtliches Interesse auf. Im Gegenteil geben wir den Schulen durch eine Öffnungsklausel enorme Freiheiten von einengenden Regelungen des gegliederten Schulsystems. Sie können eigene Konzepte der individuellen Bildung erarbeiten. Schulbesuche haben uns gezeigt, dass gerade das für viele reformfreudigen Schulen entscheidend ist.
- Die extrem gute Ausstattung mit 22 Mio. Euro macht aus der Pilotphase doch ein Luftschloss, das in der Fläche nie gehalten werden kann.
Falsch! Gerade weil es eine Pilotphase ist, erproben wir in ihr Rahmenbedingungen, unter denen individuelle Förderung gut funktioniert und die später auch für alle Schulen finanzierbar sind. 22 Mio. Euro für die ganze Wahlperiode sind dabei auch keine all zu große Summe bezogen auf die 2,4 Mrd. Euro die das Bildungswesen jährlich kostet.
- Das Projekt lenkt von den eigentlichen Qualitätsproblemen der Berliner Schule ab. Man sollte lieber den „Modellversuch eigenverantwortliche Schule“ in die Fläche tragen und den Unterrichtsausfall bekämpfen.
Falsch! Neben der Pilotphase bekommen auch die Schulen eine verlässliche Unterrichtsversorgung und zusätzliche 3% als Budget zur Unterrichtsabsicherung. Das ist die Übertragung des Modellversuches in die Fläche.
- Schon die flexible Schulanfangsphase funktioniert ja nicht. Viele Schulen sehen sich außer Stande die Binnendifferenzierung zu verwirklichen.
Falsch! Die flexible Schulanfangsphase funktioniert schon an vielen Schulen gut und wird auch für gut befunden. Für Schulen, die noch Vorbereitungszeit für z.B. Fortbildungen brauchen haben wir ein weiteres Schuljahr „Luft“ geschaffen.
- Andere Länder gehen den Weg der Zweigliedrigkeit, also der Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen bei Beibehaltung des Gymnasiums in seiner jetzigen Form. Auch die Grünen verfolgen jetzt diesen Weg und haben ihre langjährige Position für eine Gemeinschaftsschule aufgegeben. Warum geht man in Berlin nicht diesen Weg?
Nach dem Berliner Schulgesetz ist schon heute die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen möglich, wenn diese das wollen. Dessen unbeachtet halten wir den Weg der Zweigliedrigkeit für eine Sackgasse. Die Erfahrungen in der alten Bundesrepublik zeigen, dass Gemeinschaftsschulen nur dann optimal funktionieren und jede/n Schüler/in individuell fördern, wenn sie nicht in Konkurrenz zum Gymnasium stehen. Eine Zweigliedrigkeit würde das Problem der Selektion und damit der Abhängigkeit des Bildungserfolges vom Geldbeutel der Eltern aufrecht erhalten. Langfristig würde aus dieser Sekundarschule zudem auch eine neue „Restschule“ werden, wie es jetzt die Hauptschule in vielen Fällen ist. Verantwortliche Bildungspolitik kann dieses Risiko nicht eingehen. Zudem stellt sich aus vielerlei Gründen die berechtigte Frage, ob Realschulen und Hauptschulen überhaupt miteinander fusionieren wollen. Nur wenige haben in Berlin bisher von der Möglichkeit Gebrauch gemacht. Das zeigt auch, dass dieser Prozess von den Haupt- und Realschulen nicht wirklich gewollt wird