Eine Gemeinschaftsschule für alle!

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Argumente für die Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschulen sind besser und gerechter...

  • ... weil das Verhältnis zueinander von Akzeptanz bestimmt ist, alle einander in ihrer Unterschiedlichkeit akzeptieren. Ein solches System sendet das Signal aus: „du bist hier willkommen, niemand wird weggeschickt“. Das ist eine Voraussetzung, um miteinander und voneinander zu lernen, sich gegenseitig mit Stärken und Schwächen zu respektieren.
    Solche Systeme erzeugen ein Klima, in dem Unterschiedlichkeit positiv aufgenommen wird, und das für Lehrende wie Lernende deutlich stressfreier und motivierender ist als in Systemen, in denen das Prinzip der Aussortierung vorherrscht.

  • ... weil sie grundsätzlich von heterogenen statt von homogenen Lerngruppen ausgehen und weil ihre Struktur und ihre Pädagogik dieser Tatsache Rechnung tragen: Alle Schülerinnen und Schüler, gerade auch leistungsstarke und Kinder bzw. Jugendliche mit Lernentwicklungsverzögerungen werden individuell gefördert und gefordert.
    Das bisherige deutsche Schulsystem basiert u.a. auf der Annahme, dass es drei relativ homogene Lernschichten gibt, die am besten dadurch gefördert werden, dass sie getrennt voneinander in jeweils einer Schulform unterrichtet werden. Faktisch ist aber keine Lerngruppe homogen - auch die Lerngruppen des Gymnasiums sind es nicht. Die Schülerinnen und Schüler einer jeden Klasse in allen Schulformen bringen unterschiedliche Voraussetzungen, Interessen, Neigungen und Fähigkeiten mit, die ihr Lern- und Leistungsverhalten prägen. Unsere Schulpraxis geht aber immer noch weitgehend davon aus, dass die Lerngruppen der verschiedenen Schulformen etwa gleiche Lernvoraussetzungen mitbringen bzw. mitbringen sollten. Wenn eine gewisse Heterogenität toleriert wird, dann nur in Gestalt der Gauß’schen Normalverteilung: Einige wenige gute Schüler, viele durchschnittliche und einige wenige schlechte Schüler. Das hat zur Folge, dass sich der Unterricht am Gros der Lerngruppe orientiert, also an den durchschnittlich leistungsstarken Schülerinnen und Schüler; sowohl die besonders „guten“ als auch die besonders „schlechten“ Schüler fallen dieser Homogenitätsannahme zum Opfer, da sie zu wenig individuell gefördert und gefordert werden. Oft wird den Vertretern der integrativen Idee Gleichmacherei unterstellt. Genau genommen ist es umgekehrt: Homogene Lerngruppen zielen auf (vermeintliche) Gleichheit, indem die Unterschiede aussortiert werden. Um dies eindeutig klarzustellen:
    Ein integratives Schulsystem wird seinem Anspruch nur gerecht, wenn die Heterogenität der Kinder und Jugendlichen in den Lerngruppen Ausgangspunkt des pädagogischen Denken und Handelns ist, wenn auf alle Kinder und Jugendlichen individuell eingegangen wird, wenn sie mit ihren individuellen Begabungen und Interessen wahrgenommen, gefördert und herausgefordert werden und wenn die Schule sich darum bemüht, individuelle Defizite zu verringern.

  • ... weil in ihnen „gute“ und „schlechte“ Schüler miteinander und „schwächere“ von „stärkeren“ lernen. Dieses gemeinsame Lernen steigert die Lernerfolge und die sozialen Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler.
    Oft wird behauptet, leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler seien für leistungsstärkere eine Bremse. Dies muss keineswegs sein. Sowohl die leistungsstärkeren Schüler als auch die leistungsschwächeren können im gemeinsamen Lernen voneinander profitieren: Die leistungsschwächeren, weil sie von Gleichaltrigen Unterstützung erfahren, die leistungsstärkeren, weil sie durch die Vermittlung ihres Wissens und Könnens selbst das Gelernte effektiver als durch bloße Wiederholung festigen und außerdem die Kompetenz erwerben, Wissen und Können an andere zu vermitteln. Beim gemeinsamen Lernen in heterogenen Lerngruppen erweist sich zudem, dass Leistungsstärke und Leistungsschwäche veränderliche Merkmale sind und keineswegs bestimmten Kindern und Jugendlichen auf Dauer und allumfassend allen Lern- und Verhaltensbereichen zuzuordnen sind.

  • ... weil sich die Heterogenität der Lerngruppen in integrativen Schulsystemen nicht nur auf das individuelle Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler bezieht, sondern zugleich auf deren sozioökonomischen und soziokulturellen Hintergrund.
    Nur wenn die Heterogenität der Lerngruppen hinsichtlich der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler den regional jeweils gegebenen sozialen Verhältnissen entspricht, sind wir in der Lage, das von PISA und anderen Studien konstatierte negative Abhängigkeitsverhältnis von Bildungserfolg und Herkunft günstiger zu gestalten und darüber hinaus die sozialen Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler deutlich zu erhöhen.

  • ... weil sie bildungsfernen Schichten den gleichen Zugang zu Bildung gewähren und damit verhindern, dass weiterhin ein zu großer Anteil der Jugendlichen hinsichtlich ihrer Bildung und ihrer individuellen wie auch gesellschaftlichen Lebenschancen von vornherein ins Abseits gestellt werden.
    Bisher stellt insbesondere die Hauptschule eine Art Sammelbecken von sogenannten Problemkindern aus bildungsfernen Schichten dar. Trotz besserer Ausstattung und auch mit einer engagierten und reformoffenen Lehrerschaft bleiben sie „Restschulen“ und ihre Schülerinnen und Schüler weitgehend chancenlos in der beruflichen Entwicklung. Gerade im multikulturellen Berlin droht eine Ghettoisierung bereits in den staatlichen Schulen. Das behindert diese Jugendlichen in ihrer Gesamtentwicklung. In einem Alter, in dem Jugendliche meist ihre privaten und beruflichen Lebensperspektiven entwickeln, brauchen sie - wie alle anderen Jugendlichen - ganz besonders den Austausch mit Jugendlichen gleichen Alters auch aus anderen Gesellschaftsschichten. Wenn sie hier auf die Kommunikation mit einer einseitig zusammengesetzten gesellschaftlichen Teilgruppe eingegrenzt werden, fehlen ihnen für ihre Entwicklung wichtige Anregungen und Vorbilder.



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